Arthur Köpcke
Piece 39 (1950)

1974/1988

EB56

Portfolio mit Titelblatt (Siebdruck, signiert und nummeriert) und sechs Zeichnungen/Collagen/Montagen
je 61 x 45,5 cm

50 Exemplare

3.600 Euro

Edition von Arthur Köpcke. Ein handschriftlicher Text auf hellem Papier. Die Anweisungen Köpckes.
Edition von Arthur Köpcke. Die Worte yellow (in rot) red (in schwarz) blue (in grün) und black (in blau) sind nach den Anweisungen des Künstlers auf ein helles Blatt geschrieben
Edition von Arthur Köpcke. Eine Reihe aus der Ziffer 1 und ein Quadrat aus der Ziffer 9 sind nach den Anweisungen des Künstlers auf ein helles Blatt geschrieben
Edition von Arthur Köpcke. Ein aus Begriffen gezeichnetes Portrait ist nach den Anweisungen des Künstlers auf ein helles Blatt geschrieben
Edition von Arthur Köpcke. Ein Streifen und ein kleines Quadrat aus Streichhölzern sind nach den Anweisungen des Künstlers auf ein helles Blatt geklebt
Edition von Arthur Köpcke. Ein schmaler Streifen und ein kleines Quadrat ausgeschnitten aus Zeitungsartikeln sind nach den Anweisungen des Künstlers auf ein helles Blatt geklebt
Edition von Arthur Köpcke. Mehrere Blöcke aus schwarzen Ziffern sind nach den Anweisungen des Künstlers auf ein helles Blatt geschrieben.

    Im Herbst 1974 reist Arthur Köpcke aus Anlass seiner Ausstellung Continue… in der René Block Gallery nach New York. Hier wird das Titelblatt zu seinem zweiten Auflagenwerk in der Edition Block gedruckt und auch der Prototyp wird in New York von Köpcke erstellt und signiert. Das Piece 39 (1950) ist als Portfolio mit sechs Zeichnungen, Collagen bzw. Montagen konzipiert, die aus der Ausführung des reading/work-piece No. 39 hervorgehen. Als reading/work-pieces bezeichnet Köpcke zur Aufführung bestimmte Stücke, Konzeptionen und Partituren. Zwei Jahre zuvor war in der Edition Block das Auflagenobjekt Continue… Stücke aus den Jahren 1958 bis 1964 mit 129 reading/work-pieces auf Karteikarten als Edition Nr. 33 erschienen. Das zweite Auflagenwerk in der Edition Block, Piece 39 (1950), setzt nun die Konzeption des Stückes Nr. 39 um, dessen handgeschriebene Handlungsanweisung auf dem Titelblatt-Siebdruck des Portfolios zu lesen ist. Das vergleichsweise konzeptuelle Stück des Künstlers fordert die Betrachterinnen und Betrachter dazu auf, sich mit möglichen Antworten auf Malevichs schwarze und weiße Quadrate auseinanderzusetzen. Köpckes Partitur, die die Verwendung einer Linie als adäquate Form der Antwort vorstellt, entfaltet die möglichen Schlussfolgerungen, die er aus Malevichs suprematistischer Malerei entwickelt, immer weiter. Schließlich stehen den Leserinnen und Lesern sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Umsetzung der Partitur zur Verfügung – neben Zeichnungen mit Variationen von vertikalen Linien und wechselnden Farbgründen ist eine mögliche Schlussfolgerung auch die Übersetzung in Sprache:
    »or this consequence:
    you take for example two words from each line of any text and put them together in the succession they appear in the text you choose.
    a) you build a square with them or b) you build a vertical line.
    or this consequence:
    a) your build a square with numbers or b) you build a vertical line with numbers.
    another consequence:
    you use the word of the object for the object.
    or this consequence:
    a) you build a square with matches or b) you build a vertical line with matches.
    or this consequence:
    you try it with other materials.«
    Der Auszug lässt gut nachvollziehen, warum die sechs Blätter, die Köpcke nach der Notation des Piece 39 (1950) als Prototyp selbst angefertigt hat, so unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Die Notation schließt mit der Aufforderung »Continue…«, gefolgt von Köpckes Signatur und der Nummerierung der Auflage, wobei die Aufforderung sich hier nicht nur auf die Ausführung, sondern auch auf weitere Schlussfolgerungen zu beziehen scheint. Obwohl alle Titelblätter 1974 in New York gedruckt und signiert wurden, ist die geplante Auflage von 50 Exemplaren nur zum Teil ausgeführt worden.
    Text: Birgit Eusterschulte