Lambert Maria Wintersberger
Doppel­fin­ger­si­tua­tionen

1968

EB9

Rosa durchfärbter Schaumgummi, Plexiglas

3 Variationen mit jeweils 12 Exemplaren
insgesamt 36 Exemplare

vergriffen

Edition von Lambert Maria Wintersberger. Großer Finger aus Schaumgummi, der an beiden Enden lackierte Fingernägel hat, ist mit einem Seil auf eine Plexiglasplatte geschnürt
Edition von Lambert Maria Wintersberger. Großer Finger aus Schaumgummi, der an beiden Enden lackierte Fingernägel hat, ist zwischen zwei Plexiglasplatten eingeklemmt
Foto zeigt drei Doppelfingerobjekte von Lambert Maria Wintersberger. Große Finger, die an beiden Enden lackierte Fingernägel haben.

    a) Doppelfinger-Fesselung
    Rosa durchfärbter Schaumgummi, Plexiglas, Seil, Metall
    75 × 35 × 20 cm
    12 Exemplare

    b) Doppelfinger-Preßobjekt
    Rosa durchfärbter Schaumgummi, Plexiglas, Metall
    75 × 35 × 20 cm
    12 Exemplare

    c) Doppelfinger-Zwischenstecker
    Rosa durchfärbter Schaumgummi, Plexiglas, elektrisches Verlängerungskabel, Plastikhaube
    65 × 26 × 18 cm
    12 Exemplare

    Der Maler Lambert Maria Wintersberger ist erstmals 1967 zusammen mit KH Hödicke, Bernd Koberling und Markus Lüpertz an einer Ausstellung der Galerie Block beteiligt. Vor allem Wintersberger hatte sich zu dieser Zeit mit »kosmetischen Bildern« in Berlin bereits einen Namen gemacht. Seine Malerei zeigt ausschnitthaft überproportionierte Körperteile, darunter häufig Finger und Daumen, deren Verletzungen, Verschnürungen und Verspannungen zunächst in der subtilen Darstellung in zarten Pastelltönen und ästhetisch glatter und sachlicher Perfektion zu verschwinden scheinen. In einer ihm eigentümlichen Weise kombiniert Wintersberger Elemente der Hard-Edge-Malerei und der Bildwelten der Pop Art und reagiert so auf die zeitgenössischen Konsum- und Werbewelten, insbesondere der Kosmetik, in denen er real und metaphorisch die Zurichtungen des Menschen erkennt und in seiner Malerei sichtbar macht.
    In diesem Zusammenhang steht auch die Edition Doppelfingersituationen, die im Herbst 1968 in der Einzelausstellung Lambert M. Wintersberger. Sommerproduktion 1968: Bilder und Objekte in der Galerie Block vorgestellt wird. Das Auflagenobjekt Doppelfinger, das in drei verschiedenen Versionen erschienen ist und von der Firma Poro-Plast produziert wurde, besteht aus einem überdimensionierten Doppelfinger aus rosa eingefärbtem Schaumgummi mit eingefügten Plexiglasflächen als Fingernägel, die in verschiedenen Rottönen lackiert sind. Vergleichbar der Vorgehensweise in der Malerei wird auch dem Objekt Doppelfinger Schmerz zugefügt: Je nach Version wird er gefesselt, gequetscht oder unter Strom gestellt. Eine Besprechung der Ausstellung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt die Objekte folgendermaßen: »Dezenter, aber auch raffinierter kann ein bildkünstlerischer Hinwies auf das Thema Tortur kaum vorgebracht werden: die glatte Surrealität eines ›Doppelfingers‹ wird mit dem substanziell eigenwertigen Knotenstrick kombiniert. Die empfohlene Assoziation – das hilflos der Folter ausgesetzte Fleisch stellt sich ein und mit ihr der Schauder. In zwei weiteren Objekten (einem elektrisierten und einem zwischen Schraubstücken gepressten ›Doppelfinger‹) variiert Lambert Maria Wintersberger – ein Moralist, der die ausgetretenen Pfade der Mitteilung unmenschlicher Verhaltensweisen meiden will – sein grauses Sujet. Zusammen mit neuen Bildern zeigt er die in Zwölfer-Auflage hergestellten ›Doppelfinger‹ bis zum 10. Oktober in der Berliner Galerie René Block.«1
    Text: Birgit Eusterschulte

    1 C.B., »Tortur. L. M. Wintersberger in Berlin«, Frankfurter Allgemeine Zeitung (4. Oktober 1968).