Joseph Beuys
… mit Braunkreuz

1966

EB2

Leinenkassette mit zwei Texten, Filzstück und Zeichnung
Leinenkassette: 47 x 39 x 3 cm

26 Exemplare, davon 25 Exemplare mit Zeichnung, die Zeichnungen sind signiert

vergriffen

Edition des Künstlers Joseph Beuys. Kassette aus Leinen mit zwei Texten, einer Zeichnung und einem halben Kreuz aus Filz mit Stempel BEUYS auf einer Fläche ausgebreitet.

    Für das frühe Auflagenobjekt von Joseph Beuys sind zwei Texte (Buchdruck auf Papier) mit Stücken des Künstlers aus dem Jahr 1961 formatfüllend in die zwei Innenseiten einer Leinenkassette montiert – das 2-Sekundenstück Gioconda III und das Bühnenstück I. Die geöffnete Kassette rahmt die beiden Texte. In der Kassette liegen ein halbiertes Kreuz aus grauem Filz und eine signierte Handzeichnung, wobei die unikalen Zeichnungen der einzelnen Kassetten das Auflagenprinzip eines Multiples unterlaufen. Die auf jedem dieser Originale aufgemalten Kreuze aus brauner Ölfarbe und die halbierten Filzkreuze stellen eine Verbindung zwischen den einzelnen Nummern der Edition her. Wie die Handzeichnungen ist das Filzelement mit zwei Kreuzen aus Braunkreuz versehen, die sich beidseitig neben dem mit brauner Farbe gestempelten Künstlernamen befinden. „Braunkreuz“ nennt Beuys seit Ende der 1950er Jahre eine von ihm verwandte, deckende braune Farbe, wobei die Bezeichnung mehr als nur technischer Natur ist und deren Verwendung eine Aufladung bedeutet. Als integratives Moment zeigt sich dies auch in der Verwendung des Begriffs im Titel der Edition, mit dem die unterschiedlichen Bestandteile des Auflagenobjektes umfasst werden. Diese wiederum stehen für verschiedene Werkformen bei Beuys – Zeichnungen und Objekte, performative Aktionen und soziale Prozesse. In einem Brief an Monsignore Maurer beschreibt Beuys die Handhabung des Objektes: »Von mir gemeint ist, dass man das ganze Objekt in irgendeiner Weise zusammenlegt und in einen tiefen Rahmen oder Kasten einrahmt. Wichtig ist für mich, dass man alle Teile zur gleichen Zeit zusammensetzt.«1
    Die Edition … mit Braunkreuz zählt zu den frühen Auflagenobjekten des Künstlers. Im gleichen Jahr war die Edition Zwei Fräulein mit leuchtendem Brot als Beuys’ Beitrag zu dé-collage 5 erschienen, einem von Wolf Vostell im Typos Verlag, Frankfurt, herausgegebenen, nummerierten Mappenwerk mit Happenings, Stücken, Partituren und Objekten von Beuys, Block, Bremer, Christiansen, Dietrich, Gosewitz, Higgins, Hoeke, Kaprow, Patterson, Rahn, Ruehm, Tsakiridis, Vautier, Vostell und der Gruppe ZAJ in einer Auflage von 500 Exemplaren. Dreißig Exemplare der Auflage inklusive der Edition Zwei Fräulein mit leuchtendem Brot von Beuys, ein Text auf Papier und Pappe mit einem mit Ölfarbe (Braunkreuz) übermalten Stück Schokolade, erschienen signiert und nummeriert als Sonderausgabe für die Galerie Block. Vorausgegangen war diesen Editionen von Beuys das 1965 in einer Auflage von 15 Exemplaren erschienene Buch von Richard Schaukal Von Tod zu Tod und andere kleine Geschichten mit originalen Bleistiftzeichnungen von Beuys.
    Der in einer nummerierten Auflage von 330 Exemplaren erschienene Katalog BEUYS des Städtischen Museums Mönchengladbach aus dem Jahr 1967 ähnelt der Struktur des Auflagenobjektes … mit Braunkreuz. Der von Beuys entworfene Kassettenkatalog zu seiner ersten umfassenden Museumsausstellung enthält neben Texten ein gestempeltes Filzstück. Während in der Edition … mit Braunkreuz der Name noch aus einzelnen Buchstaben gestempelt wird, verwendet Beuys beginnend mit dieser Edition einen Braunkreuz-Stempel, der Namen und Kreuz miteinander verbindet.
    Die Handzeichnungen, die in die Edition … mit Braunkreuz eingehen, datieren auf die Jahren 1948–1959 und wurden vor Fertigstellung der Kassette im Juni 1966 in der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Block gezeigt. Die Kassette ist, wie die meisten der in der Edition Block verlegten Editionen von Beuys, nicht signiert und nicht nummeriert. Ein Exemplar der Edition enthält anstelle der Zeichnung die gestempelte Gastuchtasche mit Braunkreuz, 1961, das heute als verschollen gilt.
    Text: Birgit Eusterschulte

    1 Brief von Joseph Beuys an Monsignore Maurer (16. November 1966, unveröffentlichtes Manuskript).