Die unverwüstlichen Objekte
Zehn Jahre nachdem Marcel Duchamp mit dem „Bicycle Wheel“ sein erstes Readymade zum Kunstwerk
erklärt hatte, schuf Man Ray eines seiner bekanntesten Werke: das „Objet indestructible“, das unverwüstliche oder unzerstörbare Kunstwerk. Beide Künstler benutzten für ihre Objekte serienmäßig d.h. industriell hergestellte Teile. Duchamp montierte Rad und vordere Gabel eines Fahrrades auf einen gewöhnlichen Hocker, Man Ray befestigte die Fotografie eines Auges auf dem beweglichen
Arm eines Metronoms. Mit diesen und anderen Readymades begründeten Duchamp und Man Ray eine neue Ästhetik und eine neue Dimension künstlerischer Techniken: Objekte, multiplizierbare Objekte. So war es nur folgerichtig, dass beide Objekte, wenn auch erst einige Jahrzehnte später (1964 bzw. 1965), auch als Kunstwerke in Serie, als Multiples, hergestellt wurden.
Die Geschichte des Multiples ist mit der des Objektes eng verbunden. In erster Linie greifen mit den Künstlern des Bauhauses und den Dadaisten soziologisch reflektierende Künstler die neuen Techniken auf. 1958, als Daniel Spoerri die Edition MAT (Multiplication d´Art Transformable) gründet, erhalten die alten Ideen neuen Auftrieb. An der „Collection 58“ beteiligten sich die Künstler Agam,
Albers, Bury, Duchamp, Gerstner, Mack, Man Ray, Munari, Rot, Soto, Tinguely und Vasarely. Sämtliche Objekte sind in einer Auflage von 100 Exemplaren erschienen und so angelegt, dass ihr Erscheinungsbild variabel ist, so dass jeweils 100 Variationen über eine Grundidee entstehen
a.Chr.n. Entdeckung des Siebdruckverfahrens in China und Japan.
960-1280 erreicht die Kunst des Holzschneidens in China unter der Sung Dynastie hohe technische Perfektion.
Um 1400 erreicht die Holzschnitttechnik Westeuropa.
Um 1445 Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg.
1796/97 Erfindung der Lithografie durch A. Senefelder .
Ab 1800 in England und Frankreich setzt sich der industriell hergestellte Bronzeabguss durch.
1851 Erfindung der Fotografie durch den Maler J. Daguerre.
1872 Muybridge macht mit 24 Einzelkameras Bewegungsanalysen von galoppierenden Pferden.
1877 Edison erfindet den Phonographen.
1892 Edison entwickelt perforierte 35 mm Rollfilme.
1895 Lumièrescher Kinematograph mit ersten auf Rollfilmmaterial hergestellten Filmen von Skladanowsky und den Brüdern Lumière.
1905 Erfindung des Offsetdrucks durch Rubel, USA.
1913 Erfindung des Kunstobjektes durch Marcel Duchamp (erstes Readymade “Bicycle Wheel“).
1919 Gründung des Bauhauses durch Walter Gropius in Weimar.
1921 Hans Richter dreht den Film „Rhythmus 21“.
1922 Moholy-Nagy lässt Bilder nach telefonischer Beschreibung herstellen.
1923 „Objet indestructible“ (Metronom) von Man Ray, der auch den Film „La Retour à la Raison“ dreht.
1924 Picabia und Clair drehen den Film „Entracte“, Leger das „Ballet Mécanique“.
1926 erscheint von Marinetti „La Battaglia di Adrianopoli“ auf Schallplatte bei La voce del Padrone, Mailand.
1927 Duchamp dreht den Film „Anaemic Cinema“, Ruttmann: „Berlin, Symphonie einer Großstadt“.
1928 Dali und Bunuel drehen die Filme „Un Chien Andalou“ und
1930 „L´Age d´Or“.
1936 veröffentlicht Walter Benjamin seinen Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“.
1938 „Boite-en-Valise“, Duchamp projektiert sein „Tragbares Museum“ auf 300 Exemplare.
1941 110 Exemplare werden in New York fertig gestellt, davon 20 signiert und 90 unsigniert.
1943 erscheint von Kurt Schwitters „An Anne Blume“ und die „Sonate in Urlauten“ auf Schallplatte, 100 Exemplare, Lords-Galerie, London.
1944/46 Hans Richter dreht den Film „Dreams that Money Can Buy“.
1949/54 Jean Fautrier experimentiert mit verschiedenen Techniken an der gleichzeitigen Herstellung von Originalen. Es entsteht seine Kollektion „Originaux Multiples“, die
1950 in New York ohne Erfolg vorgestellt wird.
1954 schreibt Victor Vasarely sein Essay „Towards the Democratisation of Art“ mit der Forderung nach maschineller Multiplizierung von Kunstwerken. Robert Breer dreht den Film „Image by Image I“
1955/68 100 Exemplare der „Boite“ werden durch die Galerie Schwarz in Mailand verlegt.
1957 erscheint das „Kinderbuch“ von Diter Rot in 100 Exemplaren.
1958 30 Exemplare der „Boite“ werden in Paris fertig gestellt. Daniel Spoerri gründet die Edition MAT (Multiplication d´Art Transformable) mit Arbeiten von Agam, Albers, Bury, Duchamp, Gerstner, Mack, Man Ray, Munari, Rot, Soto, Tinguely und Vasarely (Collection 58).
1959 „Boite-en- Valise“, Fertigstellung der Auflage (60 Exemplare in Paris). Manzoni verlegt sein „Corpo d´Aria“ in einer Auflage von 45 Exemplaren. Yves Kleins Vortrag an der Sorbonne erscheint als Scheinplatte.
1960 Die Krefelder Museen (Dir. Paul Wember) verlegen das „Maschinenbild Haus Lange“ von Tinguely in Form einer Bauanleitung. Gründung der „Groupe de Recherche d´Art Visuel“ (LeParc, Morellet, Sobrino, Stein, Yvaral, Rossi), die die Möglichkeit, Kunst zu multiplizieren, untersucht, in Paris.
1961 verschiedene Schallplatten von Jean Dubuffet. Diter Rot fertigt die ersten „Literaturwürste“. „Künstlerscheiße“, Manzoni füllt 100 Dosen mit je 38 g.
1962 erscheint „Mon Dieu ne l´abandonnez pas“ von Ben Vautier als Schallplatte. Vautier dreht den Film „Regardez-moi cela suffit“.
1962-64 „Fluxyearbox Ι“, George Maciunas beginnt die Fluxuseditionen mit Ayo, Brecht, Congo, Higgins, Jones, Knowles, Kosugi, Kubota, Ligeti, Maciunas, MacLow, Patterson, Schmidt, Shiomi, Vautier, Watts, Williams, und La Monte Young.
1963 Andy Warhol dreht den Film „Sleep“, Wolf Vostell: „Sun in your Head“. Es erscheint „Sound Sculpture“ von Jean Tinguely bei der Miami Galerie in Tokio als Schallplatte.
1964 Nam June Paik kauft einen tragbaren Videorecorder in New York und beginnt Videobänder herzustellen. Der 1948 gegründete Verlag „Le Soleil Noir“ in Paris veröffentlicht sein erstes Objektbuch „La Double Vue“ mit Duchamp, Giacometti und Lebel. Stan Brown macht seine ersten 3 Bücher. Die Edition MAT wird durch die Galerie der Spiegel, Köln, weitergeführt. Verschiedene Readymades von Duchamp werden in einer Auflage von 8 Exemplaren von der Galerie Schwarz, Mailand, heraus gegeben.
Wie diese knappe und unvollkommene Zusammenstellung zeigt, tritt in der zweiten Hälfte der 70er Jahre wieder eine Beruhigung in der Multiple-Szene ein. Hierfür sind zwei Gründe zu nennen. Zum einen das besondere Interesse der jüngeren Künstler für die direkten Kommunika-tionsmedien, Bücher, Schallplatten und Videobänder und zum anderen die noch erheblichen Probleme beim Vertrieb von Multiples, die eben doch aufwendiger zu lagern und zu versenden sind als Bücher, Schallplatten oder Videobänder.
Bis heute sind die Museen nicht auf das systematische Sammeln von Multiples eingerichtet. Künstlerbücher, Schallplatten und Videobänder können von den Kunstbibliotheken mit betreut werden; für die Druckgrafik gibt es die grafischen Sammlungen, das Objekt als Unikat kann in die Skulpturenabteilung eingegliedert werden – für das serienmäßig hergestellte Objekt fühlt sich niemand verantwortlich. Dabei könnte gerade die jüngste Kunstentwicklung repräsentativ und authentisch an Hand von Multiples dargestellt werden, (wie es Ausstellung und Katalog „Geschichte des Multiples“, 1974 in Berlin,
"Dem Multiple gehört die Zukunft"
Der Verleger René Block
Die Edition Block wurde im Jahr 1966 gegründet und war in der Berliner Schaperstraße situiert, in direkter Nachbarschaft zur zwei Jahre zuvor gegründeten Galerie Block. Neben der Edition MAT , Multiples Inc. New York und der Mailänder Edition del Deposito gehört die Edition Block damit zu den ältesten Herausgebern von Auflagenobjekten und Druckgrafiken internationaler zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. In einem Text aus dem Jahr 1972 schrieb René Block: "In den letzten Jahren hat die Produktion und der Vertrieb von Multiples und Grafiken eine nie erwartete Bedeutung innerhalb des Kunstgeschehens gewonnen. Durch die nahezu unbegrenzten Herstellungsmöglichkeiten, die die industrielle Entwicklung geschaffen hat, ist die Auseinandersetzung mit der industriellen Fertigung für viele Künstler ein wichtiger Bestandteil ihrer Produktion geworden. Überall haben die Kunsthändler dem Anspruch ihrer Künstler nach Demokratisierung und Sozialisierung des Kunstmarktes Rechnung getragen und durch die Einrichtung von Editionen unterstützt." Hier ist seine Intention zur Gründung einer Edition benannt, ging es doch darum an die durch Marcel Duchamp ausgelöste Diskussion um das Objekt anzuknüpfen, die in der Nachkriegszeit von Künstlern der Neo-Avantgarde und in ihrer Folge insbesondere von Piero Manzoni, den Pop-Künstlern und der Fluxus-Bewegung fortgeführt und erweitert wurde. Das Multiple bot nicht nur die Möglichkeit das Problem des "Originals", die gesellschaftliche Stellung künstlerischer Arbeit oder das Verhältnis von Kunst und Ware zu diskutieren; die Auflagenobjekte sicherten zugleich eine weite Verbreitung künstlerischer Aussagen, die den Stand der Kunst reflektierten und Schlüsselpositionen innerhalb des zeitgenössischen Denkens einnahmen. René Block, der in seiner Galerie Neodada, Decollage, und Kapitalistischen Realismus zeigte, nahm diese Diskussion mit dem ihm eigenen sicheren Gespür für wesentliche Entwicklungen des Kunstbegriffs auf und bot mit der Edition den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform zur Umsetzung und Vermittlung ihrer Ideen.
Die Auflagen der Edition Block entstanden zunächst in Zusammenarbeit mit Künstlern der Galerie wie Wolf Vostell, Joseph Beuys, KP Brehmer, KH Hödicke, Sigmar Polke, Palermo oder Konrad Lueg und Künstlern der internationalen Fluxus-Bewegung wie Nam June Paik, Arthur Köpcke, Dieter Rot und Robert Filliou. Das Programm erfuhr in den folgenden Jahren eine stetige Erweiterung durch neue Künstler und neueste Kunstformen und war stets geprägt von René Blocks Fluxus-Prinzip der künstlerischen Vernetzung und seinem Interesse an der Peripherie und "künstlerischen Nebenströmen". Es entstanden multiplizierte Kunstwerke wie Grafiken, Objekte, Bücher, aber auch Ton- und Videoarbeiten. Die ersten beiden Arbeiten, die die Edition Block im Jahr 1966 herausgab, waren das Klammerbuch von Wolf Vostell, das die Texte zu zwei Berliner Happenings des Künstlers enthielt, sowie ... mit Braunkreuz von Joseph Beuys, eine Leinenkassette mit einer Zeichnung, einem halbierten Filzkreuz und zwei Texten. Joseph Beuys war nach Aussagen von René Block zunächst an der Herstellung von Auflagenobjekten wenig interessiert. Dies änderte sich, als er die Möglichkeiten des Multiples hinsichtlich der Distribution und Vermittlung erkannte, stellten sie doch ein Mittel dar, die Beziehung zu den Besitzern zu intensivieren und die Rezeption zu lenken. Das erste multiplizierte Objekt überhaupt von Beuys ist Evervess II 1, das er 1968 in einer Auflage von 40 Exemplaren mit der Edition Block produzierte und das sein Interesse an multiplizierter Kunst deutlich macht. In einer kleinen, in zwei Fächer unterteilten Holzkiste befinden sich zwei Sodawasserflaschen der Marke Evervess. Eine Flasche ist unbearbeitet, bei der anderen sind die Etiketten mit Filzstreifen überklebt. Auf dem Schiebedeckel der Kiste findet sich eine Handlungsanleitung für den Rezipienten: "Sender beginnt mit der Information, wenn >II< ausgetrunken und der Kronverschluß möglichst weit weggeworfen ist." Bis 1982 hat Joseph Beuys für die Edition Block weitere Multiples konzipiert, die entweder an Werke anschließen wie der Schlitten (1969), der Filzanzug (1970) und Silberbesen und Besen ohne Haare (1972) oder Neuschöpfungen sind wie Das Schweigen (1973) oder im Zusammenhang mit Aktionen entstanden wie In Memoriam Georges Maciunas (1978-82), eine Gemeinschaftsarbeit mit Nam June Paik. Mit Paik gab Block auch das erste Video-Multiple in der Geschichte des Auflagenobjekts überhaupt heraus, Der Denker (1976/78), das in seiner Konzeption an die erste TV-Buddha-Installation von Paik anknüpft. Diese Arbeit ist ein gutes Beispiel dafür wie intensiv und vielfältig die Edition Block nicht nur auf inhaltlicher Ebene arbeitete, sondern auch hinsichtlich der Nutzung technischer Produktionsmöglichkeiten vorging. Viele der von der Edition Block herausgegebenen Arbeiten sind inzwischen unverrückbar in den Kanon der Kunstgeschichte eingegangen. Man denke an Deutsche Werte (1967) von KP Brehmer, die Deutsche Studententapete (1967) von Wolf Vostell, die Umwandlung (1968) von Gerhard Richter und Sigmar Polke, das Schokoladenplätzchenbild (1969) von Dieter Rot, The Critic Laughs (1968-71) von Richard Hamilton oder The Manuscript (1974) von Marcel Broodthaers.
Das Interesse der Edition Block galt (und gilt) neben den Auflagenobjekten vor allem der Grafik und den verschiedenen grafischen Techniken. Neben der Herausgabe von Einzelblättern verschiedener Künstler wurden immer wieder Portfolios aufgelegt, wie etwa 1967 eine Leinenkassette mit dem Titel Grafik des Kapitalistischen Realismus, die Siebdrucke von KP Brehmer, KH Hödicke, Konrad Lueg, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Wolf Vostell enthielt. Ihr folgte 1971 das Buch Grafik des Kapitalistischen Realismus mit Werkverzeichnissen der gleichen Künstler von 1960-1971. Im gleichen Jahr erschien Weekend, ein Koffer mit Klischeedrucken von KP Brehmer, Siebdrucken von KH Hödicke, Arthur Köpcke und Wolf Vostell, Offsetlithografien von Peter Hutchinson und Sigmar Polke sowie einem Objekt von Joseph Beuys. Und 1988 gab die Edition die Grafikmappe Aus Australien heraus, die vierzig Blätter von acht australischen Künstlern enthielt. Sie stellt nicht nur die bis dahin in Europa weitgehend unbekannte australische Kunstszene vor, sondern ist auch ein Beleg dafür, wie sich die Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie im kulturellen Kontext wechselseitig durchdringen - ein Thema, dass der Verleger (und spätere Kurator) René Block auch in den folgenden Jahren nachhaltig bearbeiten sollte. Das Prinzip, mehrere Künstler für eine gemeinsame Edition zu versammeln, das sich in den Grafikmappen andeutet, verfolgte Block auch bei anderen Gelegenheiten. En Bloc (1969-72) beispielsweise, ein Rollschrank aus Holz, beinhaltet in Schubladen Objekte von 19 namhaften deutschen Künstlern - inzwischen ein Museum en miniature.
Wie sehr ihm die multiplizierte Kunst am Herzen lag zeigen verschiedene Projekte, an denen Block außerhalb seiner Edition arbeitete. In seiner Funktion als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler setzte er sich dafür ein, das Thema Multiple auch zum Thema einer Messe zu machen. Während die ersten drei Ausgaben der Internationalen Frühjahrsmesse Berlin, die die Interessengemeinschaft zwischen 1969 und 1971 organisierte, eher lokal orientiert waren, internationalisierte sie sich 1972 mit ihrer 4. Ausgabe und widmete sich mit dem Untertitel "Erste Fachmesse für Multiplizierte Kunst" ausschließlich der Auflagenkunst. Diese Entscheidung führte in der Presse zu einer heftigen Auseinandersetzung über die Notwendigkeit einer solchen Fachmesse, auf die René Block im Ausstellungskatalog mit einem vehementen Plädoyer für das Multiple antwortete. Er schrieb dort, dass die wichtigen Kunstentwicklungen der vergangenen 20 Jahre und die wesentlichen Ideen dieser Zeit vor allem auch in Form von Multiples verwirklicht worden seien und mahnte an, dass die Institutionen bis dato dieser Entwicklung nicht ausreichend Rechnung trügen: "Müßten nicht endlich die Museen - es ist bereits für vieles zu spät - (...) beginnen, systematisch und mit wissenschaftlicher Präzision die Entwicklung der `Modernen Kunst´ in Form von multiplen Originalen zu dokumentieren?" und schreibt weiter "... dass durch die Ignoranz der öffentlichen Sammlungen noch immer in Kleinstauflagen produziert werden muß. Folge: Die normale Öffentlichkeit kann es sich bis heute kaum leisten, ein Multiple zu kaufen. Das Experiment droht zu scheitern." Ganz im Sinne der Idee der Demokratisierung äußerte er im gleichen Text den Vorschlag der Einrichtung von Schulmuseen, in denen die Schüler anhand von Multiples mit der Entwicklung der modernen Kunst vertraut gemacht werden sollten. "Der Umgang mit Kunst wird zum Selbstverständnis."
1972 wurde der Galerist und Verleger René Block auch zu seinem ersten kuratorischen Projekt eingeladen: Grafische Techniken, eine Ausstellung des Neuen Berliner Kunstvereins. Auf die Frage, nach der Intention dieses Projektes antwortete Block: "Es gab keine kunsthistorischen Beweggründe. Es war einfach interessant, in den 70er Jahren Künstler wie Hamilton, Brehmer, Rot oder Warhol, deren Werke in Siebdruck oder Offsetdrucktechnik ja nicht als `künstlerische Grafiken´ anerkannt wurden - bei der Besteuerung und beim Zoll gilt das übrigens noch heute - also gerade diese Werke neben die Klassiker Dürer, Rembrandt, Goya, Klinger oder Munch zu stellen. Es ging eher um den Anstoß zu einer Korrektur der Bewertung durch die Kunsthistoriker." Diesem Projekt folgte ein Jahr später am gleichen Ort die Ausstellung Multiples. Ein Versuch, die Entwicklung des Auflagenobjektes darzustellen. Beide Ausstellungen waren hochaktuell und eröffneten einem breiten Publikum das lebendige Feld der multiplizierten Kunst.
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Einige Jahre später, 1962, gründete George Maciunas seine Fluxus Edition, mit dem Ziel, preiswerte und unlimitierte Kunstwerke herzustellen und zu vertreiben. Es entstehen die vielen kleinen Fluxusboxen von Watts, Brecht, Ono, Maciunas, Hendricks, Knowles, Vautier u.a. Auf der gleichen Idee basiert der 1967 von Wolfgang Feelisch in Remscheid gegründete VICE-Versand,
der noch einen Schritt weiter geht und sämtliche Produkte zu einem einheitlichen, einem Taschenbuch vergleichbaren, Preis von DM 8 vertreibt. Der VICE-Versand erreicht unerwartete Auflagen für seine Objekte, so wurden allein von dem Beuys-Objekt INTUITION in
den ersten zehn Jahren mehr als 12.000 Stück verkauft. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre fielen Produktion und Vertrieb von Multiples eine niemals erwartete, allenfalls erhoffte, Bedeutung innerhalb des Kunstgeschehens zu. Durch die nahezu unbegrenzten Herstellungsmöglich-keiten,
die die industrielle Entwicklung geschaffen hatte, wurde die Auseinandersetzung mit der industriellen
Fertigung für viele Künstler ein wichtiger Bestandteil ihrer Produktion. Dem Anspruch der Künstler nach Demokra-tisierung und Sozialisierung des Kunstmarktes entsprachen viele Galerien durch die parallel geführten Editionen.
Die Entwicklung des Multiples wird am ehesten in tabellarischer Form veranschaulicht, wobei andeutungsweise einige Daten anderer
Multiplikationstechniken einbezogen seien:
1965 Die Edition MAT gibt die dritte Objektserie heraus, die u.a. das „Objet indestructible“ von Man Ray enthält. Es erscheint die Serie MAT MOT mit Sprach-Objekten von Brecht, Filliou, Henry, Rot, Thomkins, Williams. Gründung der Edition del Deposito, Mailand, und der MULTIPLES, Inc., New York. KP Brehmer erweitert seine Untersuchung maschinell zu produzierender Originalgrafik ins Dreidimensionale; es entstehen Aufsteller, Schachteln, „Aktionsgrafik“. Die Avantgardezeitschrift decollage erscheint in ihrer Ausgabe Nr. 5 als Objektausgabe (Gosewitz, Dietrich, Vostell und Beuys “Zwei Fräulein mit leuchtendem Brot“).
1966 „Seven Objects in a Box“ (Pop-Kiste) mit Objekten von d´Arcangelo, Dine, Lichtenstein, Oldenburg, Segal, Warhol und Wesselmann, Tanglewood Press, New York. Denise René versucht in Paris den Begriff „Multiple“ registrieren zu lassen. Gründung der Edition René Block, Berlin. Das Moderna Museet in Stockholm verlegt „Knäkkebröd“ von Claes Oldenburg in einer Auflage von 250 Exemplaren. Fluxfilme von Anderson, Brecht, Shiomi, Watts, Fine, Sharits, Ono, Cale, Jones, Vanderbeek und Paik.
1967 „Ten from Castelli“, Grafik und Objekte von Johns, Judd, Bontecou, Lichtenstein, Morris, Poons, Rauschenberg, Rosenquist, Stella und Warhol, Tanglewood Press, New York. Ausstellung multiplizierter Kunst, Volkshochschule Köln. Gründung der Edition VICE-Versand, Remscheid, Stolpe-Verlag, Berlin. Schallplatten: Duchamp „Some Texts from A-L´infinitif“ (Aspen); Hülsenbeck: “Phantastische Gebete” (Aspen); Warhol: „Weeding of Lucy“ (Velvet Underground).
1968 “Evervess ΙΙ1” entsteht als erstes Multiple von Joseph Beuys. (Edition René Block, Berlin). Ausstellung „ARS MULTIPLICATA“ in der Kunsthalle Köln. In Los Angeles wird die Edition Gemini, GEL; gegründet, es erscheint dort von Oldenburg „Profile Airflow“ (Chrysler Air Flow). Gegründet werden die Editionen Seriaal (Amsterdam) und Petersburg-Press (London).
1969 „7 Objects/69“ (Bradshaw, Hesse, Kaltenbach, Naumann, Saret, Serra und Sonnier), Tanglewood Press, New York. On Kawara vollendet seine „Ten Million Years“ die 10 Bände umfassen, und Franz Erhard Walther sein „Stoffbuch 1“, das in einer Auflage von 6 Exemplaren erscheint. Gründung der X-Art Collection, Zürich. Die Edition Tangente beginnt mit einer Objektserie.
1969-72 „En Bloc“, Rollschrank mit Beiträgen von 18 deutschen Künstlern: Beuys, Brehmer, Brock, Dietrich, Giese, Hödicke, Knoebel, Lohaus, Lueg, Palermo, Polke, Richter, Rot, Rühm, Ruthenbeck, Schmidt, Vostell, Wewerka, und Wintersberger, Edition René Block, Berlin.
1970 Ausstellung „3--∞, New Multiple Art“, White-chapel Art Gallery, London. Gründung der Editionen Friedrich, München; Hundertmark, Berlin.
1971 Ausstellung “Multiples – The First Decade”, Philadelphia Museum of Art, Philadelphia. Gründung der Editionen Sperone Multipli, Turin. Gründung der Video-Galerie Gerry Schum in Düsseldorf, die Videotapes verlegt. (Limitierte Auflagen u.a. von: Beuys, Ruthenbeck, Brown, Weiner, Dibbets, Rückriem, Rinke, Roehr). „Musée de Ben“, Holzkasten mit ca. 50 Objekten von Ben Vautier, herausgegeben durch die Edition Bischofberger, Zürich.
1972 Erste FACHMESSE FÜR MULTIPLIZIERTE KUNST, Berlin, unter Beteiligung von 66 Editionen aus dem In- und Ausland. Howard Wise gründet in New York „Electronic Arts Intermix“, eine Non-Profit-Organisation zur Herstellung und zum Vertrieb von Videobändern in nicht limitierten Auflagen. Die Holzkiste INTUITION von Beuys, erschienen im VICE-Versand, erreicht eine Auflage von 4000 Expl. „The Critic Laughs“ von Richard Hamilton, (Edition René Block, Berlin), wird nach 2-jährigen Experimenten in verschiedenen Industriebetrieben fertig gestellt. Schallplatten: „Dachskulptur“ von Reiner Ruthenbeck (Museum Möchengladbach) und „A()“ von Laurence Weiner (Edition Lambert, Paris).
1974 MULTIPLES, ein Versuch die Entwicklung des Auflagenobjekts darzustellen, Ausstellung mit Katalog in Berlin. Das Multiple INTUITION von Joseph Beuys erreicht eine Auflage von 8000 Exemplaren. Marcel Broodthaers verlegt sein Multiple „The Manuscript“ in einer Auflage von 120 Exemplaren in der Edition René Block, Berlin.
1976 Eine Gruppe von Künstlern und Kritikern gründet in New York „Printed Matter“, eine Organisation für die Herstellung und den Vertrieb von Künstlerbüchern.
1977 Das Kunstmagazin Art in Amerika bringt als Titelblatt in Farbe das Beuys-Multiple „Silberbesen und Besen ohne Haare“. (Edition René Block, Berlin). Im Verlag Schellmann & Klüser erscheint ein Paperback über „Joseph Beuys/ Multiplizierte Kunst“. Die documenta 6 in Kassel richtet dem Künstlerbuch eine eigene Abteilung ein. Schallplatten: Roman Opalka „1965, 1-∞“, (Edition Block, Berlin); Nam June Paik „My Jubilee ist unverhemmet“, (Edition Lebeer-Hossmann, Hamburg); Joe Jones (Edition Harlekin, Wiesbaden).
1978 Nam June Paik verlegt das erste Videomultiple „Der Denker“ in der Edition René Block, Berlin.
bewiesen haben). In Kunstströmungen wie Nouveau Realisme, Kinetik, Pop Art, Happening, Fluxus, Minimal Art, Concept Art wurden wesentlich Ideen der Künstler erstdurch Multiplikation realisiert. Diese Enthaltsamkeit der Museen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass in der Regel auch heute ein Multiple in kleinerer Auflage als ein Künstler-Buch oder eine Künstler-Schallplatte produziert werden muss, obwohl die technische Entwicklungskosten häufig denen einer Buchproduktion entsprechen. Durch höhere Auflagen wiederum aber könnte der Endpreis gesenkt werden, wodurch das Objekt einen größeren Interessentenkreis erreicht, was wiederum höhere Auflagen und Preissenkungen zur Folge haben könnte etc.
Die Entwicklung des Multiples dauert an. Neue Techniken werden neue Möglichkeiten schaffen. Verbesserte Distribution wird die Kaufpreise reduzieren.
Wie sagte doch Man Ray im Hinblick auf die „unverwüstlichen Objekte“: „Erfinden ist göttlich-multiplizieren ist menschlich“.
Dem Multiple gehört die Zukunft!
René Block, Januar 1979
Zwischen 1974 und 1977 unterhielt René Block eine Dependance seiner Galerie in New York und schränkte seine Editions-Tätigkeit ein. Es erschienen in dieser Zeit lediglich drei Multiples: A World of False Fingerprints (1975) von Robert Filliou , Sweet Wall/Testimonials (1976) von Allan Kaprow und die LP 1965/1-? von Roman Opalka . 1979 schloss René Block nach fünfzehn Jahren dann seine Berliner Galerie, seine Künstler hatten sich etabliert und machten ihren Weg nun ohne seine Hilfe. Die Arbeit der Edition Block allerdings wurde weitergeführt und konzentrierte ihren Arbeitsschwerpunkt in den nächsten Jahren auf das Verhältnis von bildender Kunst und Musik. Dies hatte auch mit den Projekten zu tun, denen sich Block nun in hauptberuflicher Tätigkeit, teils freiberuflich, aber überwiegend institutionell, widmen sollte. Zum Zeitpunkt der Schließung seiner Galerie war er bereits für die Berliner Akademie der Künste mit einem neuen großen Ausstellungsprojekt beschäftigt, das 1980 stattfand: Für Augen und Ohren. Von der Spieluhr zum akustischen Environment, die weltweit erste umfassende Zusammenstellung der damals sich gerade entwickelnden Klangkunst. Auch in seiner Tätigkeit für den DAAD kam seine Leidenschaft für dieses besondere Feld der Kunst zum Tragen, denn hier betreute er neben bildenden Künstlern auch Komponisten, die sich als Stipendiaten in Berlin aufhielten und organisierte deren Ausstellungen und Konzerte. Zwischen 1981 und 1988 erschienen in der Edition Block vor allem Auflagen in Form von Langspielplatten mit Werken von Conrad Schnitzler, David Tudor, Ivan Wyschnegradsky, Claus Böhmler, Philip Corner, Henning Christiansen und Gerhard Rühm. Ein besonderes Multiple der Edition im musikalischen Bereich ist Mozart Mix (1991) von John Cage, eine Hommage des Künstlers an den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Es handelt sich hierbei um das erste multiplizierte Klang-Environment, das in einer Auflage von 35 Exemplaren hergestellt wurde. In einer Holzbox befinden sich fünf Kassettenrekorder und 25 Endloskassetten unterschiedlicher Länge, die verschiedene Mozartmusiken enthalten. Fünf dieser Kassetten werden immer gleichzeitig abgespielt: die so entstehende Klangmixtur führt zu einem völlig neuen Hörerlebnis, für das John Cage die Autorenschaft übernimmt.
Von 1993 bis 1996 war René Block für das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart tätig und übernahm von 1997 bis 2006 das Amt des Direktors der Kunsthalle Fridericianum in Kassel. Sein beruflicher Werdegang durch verschiedene Arbeitsbereiche im Umgang mit Künstlern und ihren Werken, den man als schrittweise Bewegung von der Künstlerbetreuung zur Kunsthalle beschreiben könnte, war aber noch gewissermaßen hinterlegt durch Tätigkeiten für internationale Ausstellungen, vor allem Biennalen in verschiedenen Teilen der Welt. In dieser Zeit "ruhte" die Edition, aber nicht die Arbeit des Verlegers Block, der sich nun wieder verstärkt der Grafik zuwandte. So hat in der Kasseler Zeit die Kunsthalle Fridericianum unter seiner Leitung im Zusammenhang mit dortigen Ausstellungsprojekten mehrere Grafikeditionen herausgegeben. Dazu gehörten beispielsweise eine Folge von fünf frühen Klischee-Tondrucken von KP Brehmer aus den 1960er Jahren (die als Sonderedition neu aufgelegt wurden), neue Offsetlithografien von Richard Hamilton und Claus Böhmler oder eine Serie von Ilya Kabakov, Olaf Metzel und Lawrence Weiner, die in Form von Einzelblättern zur Ausstellung Chronos & Kairos 1999 erschien. Auch im Zusammenhang mit einigen Biennale-Ausstellungen, die Block kuratierte, konnte er die veranstaltenden Institutionen dazu veranlassen, das Wagnis der Herstellung einer Grafikmappe einzugehen. 1985 erschien Dem Frieden eine Form geben anlässlich der Biennale des Friedens in Hamburg, eine Leinenkassette mit sieben Blättern und einem Objekt. Robert Filliou, der Initiator der Biennale, plante diese mit dem Ziel "Kunst, Wissenschaft und Weisheit" wieder zusammen zu führen, um zu "neuer Authentizität" zu gelangen und damit einen Beitrag zum Erreichen des Friedens zu leisten. Die Mappe war demnach ein folgerichtiger Schritt, um die lokale Plattform in Hamburg zu verlassen und die künstlerischen Vorschläge überregional publik zu machen. 1990 folgte das Portfolio The Readymade Boomerang zur Sydney Biennale, die die Geschichte des Readymades und die Entwicklung des Objekts seit Marcel Duchamp, Man Ray und Francis Picabia nachzeichnete und Arbeiten von Gegenwartskünstler gegenüberstellte. Die Mappe enthält 22 Blätter, die das Thema der Ausstellung sowohl auf einer inhaltlich-historischen als auch auf der praktischen Ebene reflektieren. Entsprechend vielseitig ist das Ergebnis, denn durch das Experimentieren mit den unterschiedlichsten Druckverfahren entstand eine Grafikmappe, die die druckgrafische Entwicklung einer ganzen Epoche reflektiert. Weitere fünf Jahre später wurde die Mappe Orient/ation zur Istanbul Biennale 1995 aufgelegt, die 17 Blätter und ein Objekt beinhaltet. Die Biennale befasste sich mit der kulturpolitischen und ästhetischen Neu-Orientierung und thematisierte das Verhältnis von Zentrum und Peripherie anhand des Ortes Istanbul und der im Aufbruch befindlichen zeitgenössischen Kunst der Türkei. Ein Perspektivwechsel der besonderer Art, der sich auch in den Arbeiten der Mappe spiegelt, in denen sich die Künstler auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Orientierung auseinandersetzten. All diese Mappen multiplizieren die Idee der jeweiligen Ausstellungen und tragen sie weiter. Der künstlerische Anspruch der Ausstellung wird noch einmal auf einer anderen Ebene verdeutlicht als in der Ausstellung selbst oder im Katalog. Eine einzigartige Konstellation, denn sie bringen nicht nur verschiedene Künstlergenerationen zusammen, sondern setzen sich auch über geographische Grenzen hinweg und eröffnen damit einen weitergehenden Dialog und neue Möglichkeiten. Dies genau spiegelt Blocks Vorstellung von den Möglichkeiten multiplizierter Kunst.
Das Thema der Neuorientierung setzte sich in der weiteren Arbeit des Kurators René Block dann vor allem mit dem ambitionierten Ausstellungsprojekt Die Balkan-Trilogie fort, das er 2003 für die Kasseler Kunsthalle konzipierte und das 2004 zur von ihm kuratierten Cetinje-Biennale führte. Im Zusammenhang mit dieser Biennale nahm auch die Edition Block ihre Arbeit wieder auf und gab im Jahr 2005 die Grafikmappe Love It or Leave It heraus. Dem Thema der Biennale folgend befassen sich die Arbeiten der Mappe vor allem mit den Implikationen und Möglichkeiten künstlerischer Arbeit in von Instabilität und Konflikten geprägten Ländern, sowie der Notwendigkeit und der Chance von Veränderung und neuer Identitätsbildung. 30 Künstlerinnen und Künstler aus zwölf süd-osteuropäischen Ländern sind an dieser Mappe beteiligt, die bisher umfangreichste der Edition Block. Sie versammelt bis dato im Westen relativ unbekannte Künstlerinnen und Künstler der frühen Generation (Sanja Ivekovi? oder Mladen Stilinovi?) neben international bereits etablierten (Marina Abramovi?) und jungen zeitgenössischen Positionen aus der Balkanregion.
Im März 2008 kehrte René Block, und mit ihm die Edition Block, nach Berlin zurück und setzt die Arbeit nun in einem neuen Ausstellungsraum fort. Neben Neuproduktionen junger Künstlerinnen und Künstler aus dem südosteuropäischen Raum, wie beispielsweise von Bülent Sangar oder Sejla Kameric, trifft man hier auch auf alte Bekannte. So ist etwa der dänische Fluxuskünstler und Komponist Henning Christiansen mit Die Freiheit ist um die Ecke (Abb 10) zu sehen, einem in diesem Jahr produzierten Neonobjekt. Und der musikalische Grenzgänger Carles Santos spielte zur Eröffnung das neueste Multiple der Edition Block: Das wohlpräparierte Klavier.
In ihrer inzwischen über vierzigjährigen Geschichte hat die Edition Block stets neue Wege auf dem Feld der multiplizierten Kunst beschritten und dabei auch ein Stück Kunstgeschichte geschrieben. Bisher wurden 72 Arbeiten in Zusammenarbeit mit mehr als 80 Künstlerinnen und Künstlern herausgegeben (drei weitere Multiples sind derzeit in Planung) - insgesamt ein weit gespanntes Netzwerk, das sich mit allen Erfahrungen aus den sechziger, siebziger, achtziger und neunziger Jahren nun den künstlerischen Entwicklungen des 21. Jahrhundert widmet. Joseph Beuys hat einmal gesagt: "Ich bin interessiert an der Verbreitung von physikalischen Vehikeln in Form von Editionen, weil ich an der Verbreitung von Ideen interessiert bin... Wenn ihr alle meine Multiples habt, dann habt ihr mich ganz." Vielleicht trifft das ja auch auf den Verleger René Block zu.
Barbara Heinrichzurück zum Menu hier
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Der naive Wunsch des Sammlers, ein einmaliges Objekt
besitzen zu wollen, kann kaum vertreten werden.
Laszlo Moholy-Nagy